Wenn Propaganda nicht lauter wird, sondern glatter
Der Ausgangspunkt ist nicht, dass KI in der Politik vorkommt. Der Ausgangspunkt ist ihre Funktion: Sie wählt Nachrichten aus, strukturiert Deutungen vor, macht Sprache anschlussfähig und wirft Kampagnenmaterial im Minutentakt aus.
Nicht nur offene Radikalität ist das Problem. Die geglättete Oberfläche zieht dieselbe Grenze — nur höflicher, sachlicher und damit teilbarer.
Anlass ist die CORRECTIV-Recherche „Die Propaganda-KI der AfD“. Sie beschreibt ein AfD-nahes KI-Werkzeug zur Erstellung politischer Posts, Parolen und Grafiken.
Warum dieser Einstieg?
Die Comic-Werkstätten sind kein Kreativformat mit Bibliotheksanstrich. Sie sind ein Verfahren, um Informationsmacht sichtbar zu machen: Auswahl, Sprache, Bild, Kontext, Reichweite — und Auslassung.
Die bibliothekarische Frage
Wer an Suchräumen, Quellenkritik und Erschließung arbeitet, fragt zwangsläufig: Welche Begriffe werden angeboten, welche verschwinden — und wer profitiert von der Glättung?
Der Regenbogen ist auf diesen Seiten kein Dekor, sondern ein Zeichen: Offenheit, Pluralität und die Eigenlogik des Comics — klare Fläche, starke Kontur, sichtbarer Widerspruch.
Der Glättungs-Detektor
Übung · fünf Sätze · offlineFünf Sätze, wie sie in geglätteter politischer Kommunikation vorkommen. Keiner davon schreit. Deine Aufgabe: Welche Handgriffe wurden angewandt? Mehrfachauswahl, dann prüfen.
Es begann nicht mit einem Format, sondern mit einer Frage
Wie lässt sich bibliothekarische Wissensarbeit so erzählen, dass sie anschaulich, wiedererkennbar und strategisch nutzbar wird?
Frühe Bildsuche
Visuelle Experimente: klare Linie, serielle Panels, Figuren mit Wiedererkennungswert, erste bibliothekarische Motive.
Posts und Resonanz
LinkedIn zeigt: Comics funktionieren nicht nur intern, sondern auch als öffentliche, pointierte Form.
Aus einem Format werden drei
Die Logik differenziert sich aus: essayistisch-satirisch, minimalistisch-didaktisch, heroisch-strategisch.
Die Methode wird steuerbar
Erst jetzt entsteht das System: Thema eingeben, Drehbuch erzeugen, „Malen“ auslösen, nachbearbeiten, veröffentlichen.
Fünf Phasen, keine drei Schubladen
Die Werkstätten werden verständlicher, wenn man sie als Entwicklungslinie liest — nicht als isolierte Formate. Alle Bilder lassen sich anklicken.
Frühe Comic-Experimente
Am Anfang stand keine Werkstatt, sondern eine Suchbewegung: klare Linie, serielle Panels, bibliothekarische Themen, der Versuch, Denkfiguren visuell zu erzählen. Ligne-Claire-nahe Experimente als Vorform.
Comic-Posts auf LinkedIn
Der Comic wird vom ästhetischen Experiment zum Kommunikationsformat. Thesen, Pointen und Rollenbilder funktionieren auch in Social Media.
Die Sortierer*innen
Hier entsteht erstmals eine eigene Werkstattlogik: wiederkehrende Figuren, epistemische Fragen, dokumentarischer Ton und satirische Reflexion über Suche, Ordnung, KI und Wissensmacht.
Strichmännchen-Werkstatt
Parallel entsteht die radikal reduzierte, schnelle, didaktisch robuste Linie. Sie taugt überall dort, wo eine Pointe, ein Denkfehler oder ein Vermittlungskern extrem klar gezeigt werden soll.
Captain Retrieval
Die heroische Werkstatt. Sie macht Suchkompetenz, Informationstherapie, Retrieval und Orientierung als starke, wiedererkennbare Erzählung sichtbar.
Drei Werkstätten, drei Aufgaben
Jede Werkstatt erfüllt eine andere Funktion und hat eigenen Stil, Ton und Einsatzbereich. Die Wahl ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Zweckfrage.
Die essayistisch-satirische Werkstatt über Bibliothek, Macht, Sprache, KI und Wissensordnung.
- Ligne-Claire-nahe Bildsprache
- wiederkehrende Figuren und Weltlogik
- stark bei Reflexion, Positionierung, Wissensethik
Die minimalistische Werkstatt für sehr klare Vermittlung, trockene Pointen und robuste Kurzcomics.
- reduziert, schnell, klar lesbar
- für Schulungen, Folien, interne Kommunikation
- stark bei Denkfehlern und Strukturproblemen
Die heroische Werkstatt für Strategie, Sichtbarkeit und informationstherapeutische Bibliothekskommunikation.
- realistischer Graphic-Novel-Stil
- starke Markenfigur mit Wiedererkennungswert
- ideal für Suchräume, KI, Recherche, Orientierung
Werkstatt-Wahl
Übung · drei Entscheidungen · erzeugt einen AuftragDrei Fragen, dann steht die Werkstatt — und der Auftragstext, den du direkt in die Werkstatt kippen kannst.
Erst die Idee. Dann das Drehbuch. Dann erst das Bild.
Die Comic-Produktion ist ein kontrollierbarer Prozess. Wer sofort malen lässt, bekommt Dekoration. Wer zuerst das Drehbuch schreibt, bekommt ein Argument.
Thema festlegen
Ein bibliothekarisches Thema, Problem oder Motiv: Suchraum, Stiftsbibliothek, KI, Informationskompetenz, Inhaltserschließung.
Werkstatt wählen
Essayistisch-satirisch, minimalistisch oder heroisch-strategisch — je nach Zweck, nicht nach Laune.
Drehbuch entwickeln
Die Werkstatt erzeugt Titel, Kurzthese, Panels, Dialoge, Bildidee und Pointe.
„Malen“ und nachbearbeiten
Erst der Befehl „Malen“ löst die visuelle Umsetzung aus. Danach Layout, Texte und Veröffentlichungskontext schärfen.
Thema eingeben = Drehbuch erstellen. „Malen“ = das zuletzt erstellte Drehbuch visuell umsetzen. „Nur Prompt“ = nur den Bildgenerierungs-Prompt ausgeben. „Kürzer“ = Panels und Dialoge verdichten. „Mehr Pointe“ = Schlussbild und Dialog schärfen. „Für LinkedIn“ = Begleittext ergänzen. „Für Schulung“ = didaktische Erklärung ergänzen.
Woran man eine gute Werkstatt-Seite erkennt
Die Seite soll nicht Material sammeln, sondern die Logik sichtbar machen: Woher kommt die Idee? Wie differenziert sie sich aus? Und wie wird daraus eine Methode?
Erzählerisch
- Die Seite folgt einer klaren Chronologie.
- Frühe Experimente sind als Vorstufe kenntlich.
- Die LinkedIn-Beispiele erscheinen als öffentliche Erprobung.
- Die drei Werkstätten sind Ergebnis einer Entwicklung, keine Aufzählung.
Formal
- Comic-Look ohne Unlesbarkeit: starke Konturen, klare Kästen, papierhafte Flächen.
- Bilder sind direkt sichtbar und per Klick vergrößerbar.
- Die Bedienlogik der Werkstätten bleibt transparent.
- Die strategische Pointe bleibt an jeder Stelle verständlich.
„Der gezeichnete Diskurs“
Ein Impuls von außen zeigt, wie aus einer Themenvorgabe innerhalb kurzer Zeit eine neue Werkstatt entsteht.
Vom Screenshot zur produktiven Comic-Werkstatt
Ein Screenshot eines Seminarthemas mit dem Titel „Der gezeichnete Diskurs“. Im Zentrum die Frage, wie komplexe wissenschaftliche und gesellschaftliche Inhalte so aufbereitet werden können, dass sie nicht nur verstanden, sondern auch gefühlt werden.
Der Impuls wurde unmittelbar in eine neue Comic-Werkstatt übersetzt. Aus der Seminarbeschreibung wurde kein Moodboard, sondern eine steuerbare Produktionslogik: Thema wählen, Spannungsachse bestimmen, in ein prägnantes Zwei-Seiten-Format übersetzen, visuelle Metaphern setzen, Beispiele entwickeln.
Die Ausschreibung nennt Liv Strömquist, Dan Perjovschi und David Shrigley als Referenzen. Die daraus gebaute Werkstatt verbindet diese Richtung mit der eigenen Praxis: argumentativ, pointiert, erzählerisch, thematisch offen.
- Auslöser: Seminarimpuls „Der gezeichnete Diskurs“
- Transfer: aus einem Thema wird eine Methode
- Format: eigenständige Comics auf zwei DIN-A4-Seiten
- Ergebnis: eine Reihe sofort einsetzbarer Beispielarbeiten
Sechs Proben aufs Exempel
Ideologiekritik, Verschwörungsdenken, Medienbilder, Erkenntniskrisen, politische Sprache — und sogar Fußball lassen sich in eine prägnante, diskursfähige Comic-Form übersetzen.
Weiter im Netz
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