STATION 00 · WERKBANK

Kein Bauchgefühl
Ein Verfahren

Fünf Stationen, ein Ablauf: richtig suchen, Vertrauen prüfen, Fälschung erkennen, die Maschine brauchbar fragen, das Ergebnis verantworten. Du kannst überall einsteigen — der Notfallkoffer sagt dir, wo.

Informations-
therapie
statt Meinung
DER NOTFALLKOFFER · SYMPTOM WÄHLEN

Was ist passiert?

Beschreibe die Situation, nicht das Thema. Du bekommst eine Diagnose, drei Handgriffe und die Station, die dazugehört.

FÜNF THESEN

Warum das hier nötig ist

DER WEG DURCH DAS ZINE

Fünf Stationen

WEITER ALS DAS WEB

Das Regal daneben

Jede Station endet irgendwann im Netz. Diese Suchen laufen in der Bibliothekssuche — Relevanzsortierung, neuer Tab.

HILFE

Recherche­beratung

Festgefahren? Die Beratung läuft schriftlich, kostet nichts und braucht einen gültigen Bibliotheksausweis.

FÜR SCHULEN

Teaching Library

Die fünf Stationen funktionieren als Workshop-Ablauf: pro Station 20 Minuten, dazwischen ein echter Fall aus der Klasse.

TECHNIK

Eine Datei

Alles steckt in diesem Dokument: Texte, Werkzeuge, Skripte. Kein Server, keine Bibliothek von außen, kein Tracking.

SELBER PRÜFEN — Fanzine Nr. 2 · Patrick Labourdette, Wissenschaftlicher Dokumentar · Quellen jeweils am Ende der Stationen.
STATION 01 · WEBSUCHE

Du suchst nicht
im Netz
Im Index

Eine Suchmaschine zeigt, was ihr Crawler gefunden und behalten hat. Was nicht drin ist, existiert für sie nicht. Wer das weiß, sucht anders — mit Operatoren, mit zweiten Meinungen, und irgendwann außerhalb des WWW.

Erst der Modus
dann die
Tastatur
ENTSCHEIDUNG VOR DEM ERSTEN TIPPEN

Zwei Modi

MODUS A

Website-Suche

Du kennst das Ziel — ein bestimmtes PDF, die offizielle Seite, ein Formular. Das Ende der Suche ist von vornherein klar. Hier gewinnen Operatoren, nicht Formulierungskunst.

  • site: grenzt auf eine Domain ein
  • filetype:pdf filtert das Format
  • "genaue Wortfolge" erzwingt exakt
  • -ausschluss wirft Störer raus
MODUS B

Informationssuche

Nadel im Heuhaufen — nur wird die Nadel erst im Verlauf schärfer. Breit anfangen, aus den ersten Treffern die Fachbegriffe klauen, damit neu suchen. Zwei bis drei Runden sind normal, nicht peinlich.

  • Synonyme, Fachbegriffe, Englisch testen
  • Zeitraum eingrenzen bei aktuellen Themen
  • KI-Antwortfelder als Orientierung, nie als Beleg
SICHTBARKEIT

Was die Maschine sieht

Suchmaschinen bauen eigene Indizes. Gefunden wird nur, was gecrawlt und indexiert wurde.

  • robots.txt steuert das Crawling
  • noindex verhindert die Aufnahme
  • Logins, Paywalls und geschlossene Plattformen bleiben draußen
WERKBANK · TIPPEN, ERGÄNZEN, ABSCHICKEN

Suchzeile bauen

Chips klicken hängt Operatoren an. Dann eine Maschine wählen — die Zeile geht in neuem Tab auf. Vergleiche ruhig zwei Maschinen mit derselben Zeile; unterschiedliche Indizes, unterschiedliche Trefferlisten.

FALL 1 — KONKRETES DOKUMENT FINDEN

Wildcards greifen je nach Maschine nur auf Subdomain-Ebene (z. B. *.uni-hamburg.de).

FALL 2 — VOM GROBEN THEMA ZUR PRÄZISEN FRAGE

Runde 1 breit („zero trust erklärung“) → Begriffe übernehmen → Runde 2 eng. Zeitfilter der Maschine zusätzlich nutzen.

GENERATOR — SITE-FILTER AUS EINER ADRESSE
Adresse einfügen, Knopf drücken: Domain wird herausgeschnitten und als Suchzeile eingesetzt.
ZWEITE MEINUNG

Nicht nur eine Maschine

METASUCHE

Mehrere Indizes koppeln

Bessere Abdeckung, andere Sortierung, zusätzliche Quellen. Grenze: die angezapften APIs drosseln.

EIGENER INDEX

Wirklich andere Ergebnisse

Nur wer selbst crawlt, liefert eine echte zweite Liste — der Rest reicht meist Bing oder Google durch.

DATENSCHUTZ / BEZAHLT

Andere Geschäftsmodelle

Wer nicht mit Werbung finanziert wird, sortiert nach anderen Interessen. Das ist ein Argument, kein Gütesiegel.

ANTWORT-ENGINES

Zusammenfassung ist kein Beleg

Dienste wie Perplexity liefern fertige Antworten mit Quellenliste. Die Liste ist der interessante Teil — öffnen und lesen.

MULTIMODAL

Bild plus Text

Foto aufnehmen und die Anfrage sprachlich verschieben: „so ähnlich, aber in grün“, „mit USB-C“. Nützlich, wenn dir der Suchbegriff fehlt.

ARCHIV

Frühere Stände

Seite gelöscht oder still geändert? Die Wayback Machine zeigt ältere Fassungen — zentral für Zitate und Quellenprüfung.

AUSSERHALB DES WWW

Wo Google gar nicht hinkommt

BIBLIOTHEKSWELT

Kataloge & Datenbanken

Erschlossene Bestände statt gecrawlter Seiten — mit Schlagwörtern, die jemand vergeben hat.

WISSENSCHAFT

Offene Nachweissysteme

Publikationen, Zitationen, Volltexte — offen und ohne Werbelogik sortiert.

BEGRIFFE SORTIEREN

Deep Web ≠ Dark Web

Deep Web: alles Nichtindexierte — Logins, Paywalls, Formularergebnisse, Datenbanken, private Clouds. Der weitaus größte Teil.

Dark Web: eine kleine Teilmenge, nur mit spezieller Software erreichbar. Nicht per se illegal, aber risikobehaftet.

SPICKZETTEL

Sechs Zeilen zum Mitnehmen

1. Absicht klären: Website finden ODER Information verstehen. 2. Iterativ suchen: breit starten, Fachbegriffe aus Treffern übernehmen, neu suchen. 3. Operatoren: site: filetype: "exakt" -ausschluss OR ; Zeitraum und Region eingrenzen. 4. Zweite Maschine mit derselben Zeile gegenprüfen (anderer Index = andere Liste). 5. Quelle bewerten: Autor:in, Datum, Originalquelle, Interessenkonflikt. 6. KI-Antwort ist Orientierung — Quellen öffnen und Kernaussagen verifizieren.
Bestand zu Internetrecherche ↗

Grundlage: eigene Materialsammlung zur Websuche; Hinweise zu Crawling und Indexierung nach der Dokumentation von Google for Developers.

STATION 02 · TRUST-CHECKING

Nicht wahr oder falsch
Sondern wie weit

Ein Faktencheck braucht Zeit, Fachleute und einen prüfbaren Sachverhalt. Trust-Checking braucht fünf Minuten und fünf Kriterien. Es liefert kein Urteil, sondern eine begründete Einschätzung — und macht sichtbar, worauf sie beruht.

Einschätzen
statt
urteilen
EINORDNUNG

Drei Zeitpunkte

Prebunking wirkt vorher: Muster von Manipulation kennen. Trust-Checking wirkt im Moment des Lesens. Faktencheck wirkt danach, gründlich und arbeitsteilig.

Die drei ersetzen einander nicht. Trust-Checking ist das, was du selbst in der Hand hast.

ERGEBNIS

Die Ampel

Jedes Kriterium bekommt rot, gelb oder grün. Die Kombination ergibt die Einschätzung — nie ein einzelner Punkt.

Graustufen sind kein Versagen der Methode, sondern ihr Ergebnis. Wer allein urteilt, urteilt schneller falsch: im Team diskutieren.

WERKBANK · EINEN KONKRETEN BEITRAG DURCHGEHEN

Die fünf Kriterien

Nimm einen Beitrag, der dir heute begegnet ist, und bewerte ihn Kriterium für Kriterium. Unten läuft die Gesamteinschätzung mit.

KRITERIUM 1

Quelle

  • Wird offengelegt, wer schreibt? Ist Expertise erkennbar?
  • Sind die Recherchen nachvollziehbar beschrieben?
  • Gibt es Impressum und Kontaktweg?
KRITERIUM 2

Inhalt

  • Sachlich formuliert oder auf Empörung gebaut?
  • Deckt die Überschrift, was im Text steht?
  • Kommt mehr als eine Perspektive vor?
KRITERIUM 3

Zitat

  • Sind Zitate zuordenbar und korrekt wiedergegeben?
  • Wurde sinnentstellend gekürzt?
  • Sprechen fachkundige Personen in klarer Rolle?
KRITERIUM 4

Bild / Video

  • Passt das Material zum behaupteten Kontext?
  • Original oder bearbeitet — was sagt die Rückwärtssuche?
  • Sind Ort, Datum, Aufnahmeumstände plausibel?
KRITERIUM 5

Medium / Auftritt

  • Sind Verantwortliche benannt?
  • Ist Unabhängigkeit erkennbar — oder wer finanziert?
  • Wirken die Inhalte insgesamt konsistent?
GESAMTEINSCHÄTZUNG
Noch nichts bewertet

Fünf Kriterien, drei Stufen. Die Einschätzung erscheint, sobald du das erste Urteil gesetzt hast.

EHRLICH BLEIBEN

Was die Methode kann — und was nicht

STÄRKEN

Alltagstauglich

  • In wenigen Minuten anwendbar, auch im Unterricht
  • Fördert Nachrichten- und Ambiguitätskompetenz
  • Verträgt sich mit Prebunking und Faktenchecks
  • Macht das eigene Urteil begründbar statt nur behauptbar
GRENZEN

Kein Wahrheitsautomat

  • Liefert kein „wahr/falsch“ — wer das erwartet, ist enttäuscht
  • Eine seriöse Quelle kann sich trotzdem irren
  • Bei KI-Material zusätzlich Quelle, Kanal und Metadaten prüfen
  • Allein bewerten heißt: eigene Vorlieben mitbewerten
TOOLBOX

Zum Weiterarbeiten

Externe Links öffnen in neuem Tab. Anbieter und Impressum prüfen — das ist Kriterium 5, auch hier.

Bestand zu Desinformation ↗

Grundlage: Lensen, A. (2025, 9. September). Vertrauen prüfen — Trust-Checking als Methode gegen Desinformation. Bundeszentrale für politische Bildung. bpb.de ↗ · Methode entwickelt von codetekt.

STATION 03 · DEEPFAKES

Die Fälschung
ist gut
der Anruf besser

Pixel und Frequenzen werden Jahr für Jahr sauberer. Der Kanal nicht. Deshalb steht am Ende jeder Prüfung derselbe Handgriff: Rückruf auf einem Weg, den du selbst kennst — nicht auf dem, über den die Nachricht kam.

Zweiter Kanal
schlägt
Detektor
Der häufigste Angriff braucht keine Perfektion

Er braucht Dringlichkeit und Autorität: Vorgesetzte oder Familie, kurz vor Feierabend, „sofort“ und „bitte niemandem sagen“. Wer beides zusammen hört, hat den wichtigsten Befund schon.

TECHNISCHE PRÜFUNG

Hör hin, schau zweimal

AUDIO

Hör genau hin

  • Atmer und Pausen: Klone sind oft zu sauber, die Atmung zu gleichmäßig.
  • Prosodie: Betonung und Timbre kippen an Satzenden.
  • Artefakte: digitale Restsignale, leicht metallischer Nachklang.
  • Stimmbiometrie: Abgleich gegen einen echten Stimmabdruck.

Handgriff: Kopfhörer aufsetzen, Grundrauschen prüfen, Pausenlängen zählen.

VIDEO

Schau zweimal hin

  • Mimik und Lippen: Blinzelrhythmus, Mundformen, Mikroausdrücke.
  • Kanten: Haaransatz, Zähne, Brillenränder, Ohrübergänge.
  • Licht: Schattenrichtung und Reflexionen, die nicht zusammenpassen.
  • Frames: Einzelbild oder Zeitlupe zeigt, was 25 Bilder pro Sekunde verstecken.

Handgriff: auf 200–400 % zoomen, Bild für Bild durchgehen.

SPUR

Kontext & Metadaten

  • Datei-Metadaten fehlen ganz oder wirken inkonsistent.
  • Gibt es die Aussage bei verlässlichen Kanälen auch?
  • Content Credentials (C2PA) oder Signatur vorhanden?
  • Passen Zeitstempel und Umgebung zur Behauptung?
MENSCH

Bleib skeptisch

  • Unlogische Details, ungewöhnliche Wortwahl?
  • „Sofort überweisen“, „geheim halten“ — rote Flaggen.
  • Passen Füllwörter, Tempo, Lachen zur Person?
  • Rückkanal: Rückruf oder Live-Video auf bekanntem Weg.
KI GEGEN KI

Detektoren

Kein Werkzeug entscheidet allein. Mehrere Ergebnisse kombinieren, und immer zusätzlich Quelle und Metadaten prüfen. Die Liste ist ein Stand, kein Dauerzustand — dieses Feld dreht sich schnell.

WerkzeugFokusStärke
Fraunhofer „Deepfake Total“ ↗Audio (Dateien, YouTube)Öffentlich zugänglich, sofort nutzbar
Pindrop Pulse ↗Voice-LivenessEchtzeit, Finanzwesen und Call-Center
Sensity AI ↗Audio & VideoMultimodale Analyse über Web und API
Reality Defender ↗Audio, Bild, Video, TextBehörden und Unternehmen, laufende Updates
Noise-Coded Illumination ↗Video (Forschung)Lichtbasiertes Wasserzeichen, robust gegen Kompression
Vastav AI ↗Audio, Bild, VideoHeatmaps plus Metadatenanalyse
GetReal Labs ↗Live-VideocallsForensik in Echtzeit gegen Betrug in Meetings
FÜR DEN ERNSTFALL

Sieben Handgriffe

PRO-TIPP

Codewort

Vereinbart in Familie und Team ein Wort für sensible Freigaben — vorab, mündlich, kanalunabhängig. Es kostet nichts und hebelt den gesamten Aufwand einer Stimmfälschung aus.

MINI-GLOSSAR

Deepfake

Mit KI manipuliertes Audio, Video oder Bild, das echt wirken soll.

Voice-Cloning

Nachbildung einer Stimme aus Beispielaufnahmen — heute reichen Sekunden.

Content Credentials / C2PA

Standard, der Herkunft und Bearbeitungsschritte einer Datei nachweisbar macht.

QUELLEN & MATERIAL
Bücher & E-Books zu Deepfakes ↗

Werkzeugliste: Stand der eigenen Recherche, laufend prüfungsbedürftig. Kein Detektor ersetzt den Rückruf.

STATION 04 · PROMPTING

Ein schlechter Prompt
ist eine
unklare Frage

Die Maschine rät nicht, was du meinst — sie füllt Lücken mit Wahrscheinlichkeiten. Wer Rolle, Kontext, Aufgabe und Vorgaben angibt, bekommt weniger Überraschungen. Das Nachdenken bleibt trotzdem bei dir; es rutscht nur nach vorn.

Rolle
Kontext
Vorgaben
MERKSATZ

Sechs Bausteine

REGELN

Was einen Prompt trägt

  • Präzise formulieren, starke Verben und Operatoren
  • Keine doppelten Verneinungen, keine Schachtelsätze
  • Konkrete Angaben: Ziel, Umfang, Format, Publikum
  • Kontext und Beispiele mitliefern, statt sie vorauszusetzen
  • Am Ende Rückfragen einfordern — das deckt fehlende Angaben auf
VORLAGE

Grundgerüst

Rolle & Stil: Du bist <Rolle> und kommunizierst <Stil>. Verhalten: <erklärend | prüfend | korrigierend | planend>. Kontext: Ich arbeite zu <Thema> für <Ziel/Publikum>. Aufgabe: <konkrete Aufgabe>. Vorgaben: Länge <x>, Format <Stichpunkte/Absatz/Tabelle>, Beispiele <Anzahl>, Kriterien <Rubrik/Schwerpunkt>. Ergebnisprüfung: Frag am Ende, welche Angaben fehlen, und stell mir zwei Rückfragen.
REGEL-CHECK

Schwach und besser

Schwach

„Kannst du mir eine Rechenaufgabe geben, aber bitte ohne Lösung?“ — Thema und Niveau fehlen, die Bedingung ist doppelt verpackt.

Besser

„Erstelle fünf lineare Gleichungen auf Niveau 9. Klasse, ohne Lösungen, im Multiple-Choice-Format.“

Schwach

„Kürze den Teil des Textes, der … und … und …“ — Schachtelsatz, in dem die Anweisung verschwindet.

Besser

„Kürze den Abschnitt ‚Anwendungen im Alltag‘ auf rund 200 Wörter. Erhalte die Beispiele, streiche die Details zu Risiken.“

Weitere brauchbare Muster

„Schreibe einen informierenden Absatz über Waldtiere, ohne Nebensätze, ca. 120 Wörter.“ · „Formuliere einen sachlichen Titel für einen Informationstext zu KI in der Schule, maximal acht Wörter.“

ROLLENVERGABE

Wen lässt du sprechen?

BETREUUNG

Feedback

„Du bist meine Betreuerin. Prüfe die Gliederung meiner Seminararbeit auf Logik und gib drei Verbesserungsvorschläge mit Beispielen.“

TUTOR:IN

Erklären

„Erkläre Mitose und Meiose in einfacher Sprache, mit zwei Alltagsanalogien und fünf Übungsfragen.“

PRÜFUNG

Abfragen

„Stelle mir drei Prüfungsfragen zu linearen Funktionen, steigend schwer, und bewerte meine Antworten anhand einer Rubrik.“

PERSPEKTIVE

Historische Figur

„Antworte als Virginia Woolf zum Thema Feminismus, in ihrem Stil und aus ihrer Perspektive.“ — Achtung: Das ist eine Simulation, keine Quelle.

VORLAGEN ZUM KOPIEREN

Lernpartner

Du bist mein Tutor in Mathematik (Klasse 9), Thema: lineare Gleichungen. Stil: locker, klar. Verhalten: erklärend und prüfend. Aufgabe: Erkläre das Lösen mit Äquivalenzumformungen und gib 6 Aufgaben in 3 Schwierigkeitsstufen. Vorgaben: Zeige je Aufgabe einen Lösungsschritt, aber nicht die Endlösung. Prüfe danach mein Verständnis mit 3 Kontrollfragen.
Du bist Korrektor:in für meinen deutschen Sachtext (9. Klasse). Aufgabe: Markiere Rechtschreib- und Kommafehler, schlage präzise Alternativen vor und gib am Ende 3 Stil-Tipps. Vorgaben: Nutze eine Tabelle mit den Spalten Fehler | Vorschlag | Regelhinweis.
Du bist Karriere-Coach. Analysiere mein Anschreiben (max. 250 Wörter). Gib 5 konkrete Verbesserungen mit Begründung und formuliere eine starke Eröffnungszeile. Format: Liste nach dem Muster „Problem → Vorschlag → Warum“.
Du bist Sprach-Tandempartner:in (Spanisch, A1). Thema: Café bestellen. Dialog: 8 Wechsel. Korrigiere meine Sätze direkt (falsch → richtig) und erkläre die Regel in maximal 8 Wörtern.
DREI STRATEGIEN

Wenn die Standardfrage nicht reicht

STRATEGIE 01One-Shot

Ein einziges Beispiel liefern und das Muster nachbauen lassen. Wirkt besser als jede Formatbeschreibung in Prosa.

Schreibe Definitionen im Format „Begriff – kurze Erklärung (max. 12 Wörter)“. Beispiel: Photosynthese – Pflanzen wandeln Lichtenergie in chemische Energie um. Begriffe: Mitochondrien, Enzym, Osmose, Diffusion (4 Einträge).
STRATEGIE 02Step-Back

Erst den Überblick erzeugen, dann fokussieren. Das ist die Strategie gegen „mein Thema ist zu groß“ — und die direkte Verbindung zur Recherche in Station 01.

1) Gib mir einen kurzen Überblick über die Französische Revolution (max. 120 Wörter). 2) Liste 5 Hauptursachen. 3) Erkläre den Einfluss auf Demokratiebewegungen in Europa in 5 Stichpunkten. 4) Mache 3 Vorschläge für eine Leitfrage für ein 8-Minuten-Referat.
STRATEGIE 03Zeit zum Nachdenken

Schritte, Kriterien und Begründung ausdrücklich anfordern — und am Ende eine Selbstprüfung. Das macht Lücken sichtbar, statt sie glattzubügeln.

Aufgabe: Entscheide zwischen zwei Varianten. Schritte: 1) Kriterien sammeln. 2) Pro und Contra beider Varianten. 3) Entscheidung mit Begründung. Meta: Prüfe am Ende, ob wichtige Informationen fehlen, und formuliere 2 Rückfragen an mich.
BEWERTEN

Hat es funktioniert?

  • Rollenverständnis: Stimmen Ton, Stil, Fachlichkeit?
  • Sprachniveau: Passt das Vokabular zum Publikum?
  • Interaktion: Wird auf Rückfragen wirklich reagiert?
  • Anpassung: Verbessert sich das Ergebnis nach Feedback?
QUICK-CHECK

Vor dem Absenden

  • Ziel und Publikum klar?
  • Aufgabe präzise und überprüfbar?
  • Kontext und Beispiele enthalten?
  • Länge und Format definiert?
  • Schachtelsätze und Doppelverneinungen raus?
  • Rückfragen eingefordert?
TRICK

Varianten anfordern

„Gib mir drei Versionen: kurz, mittel, lang“ oder „eine sachliche und eine emotionale Variante“. Vergleichen geht schneller als nachbessern — und du siehst, wo die Spielräume liegen.

Bestand zu Informationskompetenz ↗
STATION 05 · KI-INFOKOMPETENZ

Die Maschine
liefert Text
nicht Haftung

Informationskompetent mit KI arbeiten heißt: wissen, wofür sie taugt, wann sie schweigen sollte, und wer am Ende unterschreibt. Das ist keine Technikfrage, sondern eine Frage der Arbeitsorganisation.

Du bleibst
verantwortlich
DREI ENTSCHEIDUNGEN VOR DEM ERSTEN PROMPT
01 ZIELKLARHEIT

Problem & Kontext

Was ist das konkrete Ziel? Welche Rahmenbedingungen gelten — Zeit, Daten, Zielgruppe? Ohne klare Frage keine brauchbare Antwort.

02 WERKZEUGWAHL

Modell & Daten

Welches Werkzeug passt? Darf ich diese Daten überhaupt eingeben? Brauche ich Aktualität, Kreativität oder Analyse — das sind drei verschiedene Aufgaben.

03 QUALITÄTSSICHERUNG

Prüfen & belegen

Ergebnisse gegenprüfen, Quellen dokumentieren, Verzerrungen mitdenken. Bei sensiblen Inhalten ist das keine Kür.

PRAXIS-LEITFADEN · AUFKLAPPEN

Sechs Schritte

SCHRITT 01Briefing

Ein Briefing ist eine Aufgabenbeschreibung wie für einen Menschen: Ziel, Zielgruppe, Stil und Umfang, Beispiele, Rolle, Format.

Schlecht

„Schreib mir was über KI.“

Gut

„Verfasse einen 500-Wörter-Blogartikel über Chancen von KI im Marketing, für Manager:innen ohne technisches Vorwissen. Stil: praxisnah, motivierend, drei Beispiele. Rolle: beratende Expertin. Format: Artikel mit Zwischenüberschriften.“

Kurzformel: Ziel + Kontext + Stil + Format.

SCHRITT 02Prompting

Der Prompt bestimmt die Qualität der Antwort. Je präziser, strukturierter und kontextreicher, desto brauchbarer das Ergebnis.

  • Klar und konkret: nicht „Erklär mir KI“, sondern „Erkläre in drei Sätzen für eine 10. Klasse, was KI ist“.
  • Rolle vorgeben: „Du bist Lehrer für Informatik …“, „Antworte mit Fokus auf Datenschutz“.
  • Format angeben: Liste, Tabelle, FAQ, Schritt-für-Schritt.
  • Grenzen setzen: „max. 150 Wörter“, „in einem Satz“.
  • Beispiele einbauen: „Formuliere so, dass es für LinkedIn passt“.

Ausführlich mit Vorlagen:

SCHRITT 03Iterieren

Der erste Entwurf ist Material, kein Ergebnis. Im Ping-Pong verbessern: kurzes Signal, sofortige Anpassung.

  • Feedback geben: „zu formell“, „mehr Storytelling“, „lockerer“.
  • Stellen benennen: „Mach den Einstieg spannender“, „Absatz 2 als Frage“.
  • Versionen vergleichen: „drei Versionen: kurz, mittel, lang“.
  • Parameter steuern: Ton, Länge, Medium, 30-Sekunden-Fassung.

Kurze Signale reichen: kürzer · präziser · sachlicher · für LinkedIn.

SCHRITT 04Faktencheck

KI erzeugt schnell Text — nicht automatisch richtigen. Belege, Zahlen und Quellen gehören geprüft, und zwar außerhalb des Chatfensters.

  • „Hast du eine Quelle dazu?“ — und die Quelle dann selbst aufrufen.
  • Titel im Katalog und in einer Suchmaschine gegenprüfen, nicht im Chat nachfragen.
  • Nach der Primärquelle fragen statt nach einer weiteren Zusammenfassung.
  • Was nicht belegbar ist, fliegt raus — auch wenn es gut klingt.

Halluzinationen erkennen: fehlende oder unplausible Belege, auffällig glatte Formulierungen, inkonsistente Details.

SCHRITT 05Compliance
  • Datenschutz: keine personenbezogenen oder vertraulichen Daten in Prompts.
  • Urheberrecht: Texte, Bilder und Code können geschützt sein — auch das, was hineingeht.
  • Fairness: Ergebnisse dürfen keine Vorurteile verstärken; das prüft niemand automatisch.
  • Hausregeln: gibt es interne Vorgaben zur KI-Nutzung? Vorher lesen, nicht nachher.

Formulierungen, die helfen: „Vermeide personenbezogene Daten.“ · „Nur Fakten, die in öffentlichen Quellen bestätigt sind.“ · „Erstelle eine Version ohne vertrauliche Angaben.“

SCHRITT 06Transparenz
  • Offenlegen: sagen, wenn ein Text oder Bild mit KI entstanden ist.
  • Kontext geben: klar machen, welche Teile von Menschen stammen.
  • Nachvollziehbarkeit: dokumentieren, wie das Ergebnis zustande kam.
  • Verantwortung: die bleibt bei dir — die KI übernimmt nichts.

Transparenz kostet zwei Sätze und schafft die Grundlage, auf der andere deine Arbeit prüfen können.

NÜCHTERN BETRACHTET

Chancen, Risiken, Rahmen

CHANCEN

Produktivität & Zugang

Recherche, Entwurf und Übersetzung werden schneller und barriereärmer. Am stärksten bei Ideenfindung und Erstfassungen.

RISIKEN

Halluzination & Verzerrung

Inhalte können plausibel und trotzdem falsch oder einseitig sein. Gegenmittel: Quellenpflicht, Gegenlesen, verschiedene Perspektiven.

RAHMEN

Recht & Verantwortung

Urheberrecht, Datenschutz, Lizenzen, Hausregeln. Die Verantwortung bleibt in jedem Fall beim Menschen.

HÄUFIGE FRAGEN
FAQDarf ich KI-Texte einfach verwenden?

Das hängt von Kontext und Richtlinien ab. Quellen dokumentieren, Rechte prüfen, den KI-Einsatz transparent machen und sensible Daten von vornherein draußen lassen.

FAQWie erkenne ich Halluzinationen?

An fehlenden oder unplausiblen Belegen, an zu glatten Formulierungen und an Details, die untereinander nicht zusammenpassen. Immer gegenchecken — außerhalb des Chats.

FAQWelche Daten gehören nicht hinein?

Personenbezogene, vertrauliche und geschützte Informationen — außer es ist vertraglich und technisch sauber geregelt.

ZUM MITNEHMEN

Fünf Haken

Grundlage: eigenes Material „Informationskompetent in die KI“ (Stand September 2025), hier überarbeitet und in das Verfahren dieser Plattform eingebaut.

Kopiert